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Welt

Heute schon die Welt auf links gesehen und dein trauerndes Auge verstanden. Verstanden warum die Welt Kopf steht und die Vögel verstummen, wenn ich meinen Fuß in den Garten setze: Ich bin kein Vogel.

Man hatte mir einen Namen gegeben, einen der bereits zuvor tausenden Menschen gegeben worden war, der zuvor Milliarden Lebewesen gegeben worden worden war, und der weniger mir diente als der Tatsache, dass niemand in der Menge besteht, den man nicht rufen kann.

Gewusst hatte ich ohnehin nie viel. Man hatte mir erklärt, was Schlagbäume sind, hier ist Schluss hatte man gesagt und das obwohl ich ganz klar sehen konnte wie sich einen Schritt weiter die Wiese in die Ferne erstreckte. Aber es stimmt: man kann viel darüber lachen, wie belanglos sie eigentlich sind, all die Worte und Geschichten, die man sich ausgedacht hat, die man weitergereicht und verdreht hat, denn wenn man unbedacht versucht über sie zu steigen, stolpern wir dennoch wie über Fallstricke. Manche überleben es nicht.

Wir haben verstanden: nur mit gnadenloser Gedankenlosigkeit und verschlossenen Ohren verklingt der Schall hinter uns, vergilbt das Bild an der Wand. Und deswegen sitzen wir Jungen in warmen Sommernächten in den Parks und zünden Leuchtfeuer, um den Moment explodieren zu lassen und in einem Lichtblitz alles andere verschwinden zu lassen. Die Welt, wenn du so willst.

Sagbarkeiten

Das Verbot X ist aus einer nicht-machtpolitischen Perspektive weniger eine Negierung der Sagbarkeit X, denn eine Bestätigung. Die Implikation des Verbot X ist nicht das Bekenntnis zu einer Gesellschaft ohne X, sondern ein Bekenntnis zur Notwendigkeit der Bekämpfung von X. Gerade durch das Verbot wird X sagbar und somit zur gesellschaftlichen Realität. Erst wenn nicht einmal ein Verbot von X formuliert werden kann, ist X unsagbar geworden und somit als gesellschaftliche Realität verschwunden. Dann allerdings kann es ebensowenig als „bereinigtes“ Element geschätzt werden. Es verliert sich in der absoluten Stille.

Framing

Der Vorgang bei dem Dinge erzeugt und mit Wörtern verbunden werden. Da Sprache (idS: frameset) sich in zwei Modi vollzieht, in sich dauerhaft bewegender Form (individuelle Sprachzentren/Lage) und in punktuell vorliegenden Repräsentationen (Äußerungen/Vorlage),  muss auch zwischen zwei Arten des Framings unterschieden werden: Als frame-finding (Prozess [senderorientiert - d.h. wartet auf Sendung]) einerseits und als Frame (Repräsentanz/Zeichen [empfängerorientiert - d.h. wartet auf Empfang]) andererseits. Jeder Frame muss dahingehend als Behauptung (oder auch „Beschwörung“) verstanden werden, die abhängig von der Struktur der Sprache (frameset) des Empfängers Eingang in dessen frameset finden können. Da der frame-finding Prozess auch im Individuum unterbrochen und zu einem Frame materialisiert werden kann (dies ist bei dem Teil des Denkens der Fall, der uns sprachlich bewusst in Erscheinung tritt), findet das Framing auch ohne Teilnahme zweier Menschen statt, und kann auf diesem Wege sowohl sprachliche Verhärtung und Selbstbestätigung (Wissen) als auch Verunsicherung und Verzweiflung (Unwissen) verursachen.

Unwissen

singulare tantum

1. Synonym für bewusst, absolut

2. Kommunikationsblockaden

3. Identitätszerfall

4. (nach dem матрёшка-Prinzip) Ungreifbarkeit

5. Produkt des Balancierens

Zeichen

Das Zeichen (Frame, siehe framing) ist ein abstraktes Konzept welches die Bindung eines Wortes an ein Ding darstellen soll. Da sich die Dinge streng genommen Praktiken darstellen, während die Wörter prinzipiell(!) beliebig und austauschbar sind, kann das Zeichen nur ein erster Denkansatz sein, um die Funktionsweise von Sprachen nachzuvollziehen.

wahr-nehmung

Wir nehmen die Welt so wahr, wie wir uns durch unsere eigenen Augen in ihr betrachten.

Greybox

Greyboxes sind Zeichen, die hinsichtlich ihrer Vagheit bzw. ihrer Funktion als Container untersucht werden. Substanziell sind sie Platzhalter für das Eigentliche (bzw. „etwas Eigentliches“)  d.h. sie spielen auf ein Konzept an, ohne dass es an dieser Stelle in all seiner Komplexität entfaltet werden müsste. Sie helfen uns, Gedachtes zu strukturieren, sie machen letztlich Sprechen möglich.

Insbesondere komplexe Substantive wie „Lifestyle”, „Erfolg“ oder „Gerechtigkeit“ lassen sich als Beispiele für Greyboxes untersuchen indem sie in unterschiedlichen Kontext hinsichtlich ihrer abweichender Konzeption untersucht werden. In kommunikativen Situationen dienen Greyboxes der Optimierung der Kommunikation durch

  1. Unklarheit (Offenheit nach außen: durch Ungenauigkeit kann die Berührung von Tabuzonen vermieden werden) oder
  2. Bekanntheit (Geschlossenheit nach innen: durch Verständnis der inneren Konzeption können diese zusammengefasst werden)
Beide Aspekte schließen sich nicht aus, sondern können in einer reflexiven Vagheit miteinander korrespondieren. Greyboxes stellen sowohl im individuellen Denken als auch in kommunikativen Situationen Stereotypen eines komplexen Sachverhalts dar. Durch dieses „Outsourcing“ kann die Leistung des Sprachapparats optimiert und an eine erweiterte Nutzung angepasst werden (die Leistung des Gedächtnisses wird nicht gesteigert, evtl. sogar geschwächt, in jedem Fall wird sie jedoch erheblich umstrukturiert; die Leistung ist dann von anderen Medien abhängig [z.B. der Verfügbarkeit oder der Ordnung niedergeschriebener Informationen]). Das so gespeicherte Wissen kann zwar verwendet werden, ist jedoch nicht internalisiert und kann insofern bestefalls einen peripheren Beitrag zur Identitätsbildung beitragen. Die Greybox ist Grundbedingung für Kommunikation und eine zunehmende Verschachtelung steigert die kommunikative Geschwindigkeit (bedient also die quantitative Ebene während die qualitative Ebene kontextbezogen variiert). Ihre Funktion liegt also darin, Kommunikation zu Ökonomisieren, indem Bedeutungen zu Stereotypen zusammengefasst werden. Die Gefahr liegt darin, dass sie gleichzeitig kaum oder lediglich „graue“ Bedeutung transportiert (zwangsläufig ist jede Greybox mit anderen Greyboxes gefüllt, deren Grad an Komplexität, Verschachtelung und Bekanntheit auch über die Klarheit des Gesamtgebilde entscheidet). Damit einhergehen kann eine sekundäre Semantisierung, d.h. obwohl zu Beginn nur eine Blackbox mit thematischer Markierung bestand, erhält diese durch häufige Verwendung eine semantische Markierung (die allerdings auch außerhalb ihres zuvorigen Geltungsbereich liegen kann).

Das Potenzial der Greybox besteht zusammengefasst darin, dass

  1. Kommunikation überhaupt ermöglicht wird, und
  2. Kommunikation beschleunigt werden kann, indem klare Inhalte in neuen Greyboxes verpackt werden.

Die Problematik der Grexboxes besteht zusammengefasst darin, dass

  1. die kontextuelle Bedeutung eines isolierten Sachverhalts für eine zweite Person bereits anders bewertet werden kann und
  2. die Greybox durch zunehmende Nutzung auch zunehmend an Autonomie gewinnt und der Inhalt, den sie repräsentiert sukszessive in den Hintergrund rückt bzw. evtl. schließlich ganz verloren geht.
  3. die Bedeutung der Greybox wegen ihrer starken Verschachtelung anderer komplexer Greyboxes, semantisch an der Oberfläche kratzt.

Um dies zu vermeiden und gleichzeitig von den Vorteilen des Boxensystems zu profitieren ist die regelmäßige „Öffnung“ einer Greybox die Grundbedingung für ihre langfristige Nutzung.

Jedes Wort ist eine Greybox.

pandora

aus der Distanz

Was ist das für eine Zeit, in der Menschen ihre Tätigkeit Poesie, Aphoristik, Zeitvertreib nennen, obwohl sie ganz klar Politik betreiben?

Arme vor dem Herz

herz

Wer hätte gedacht, was man alles aus einem angefangenen Samstagabend machen kann: Die Garage lebt! Gerade eben mit wenig Perfektion vertont von Toni und mir.  Zum Reinlauschen klick klack hier.

*

Arme vor dem Herz (für Uli)
(Text, 0.5 Background, Gitarre: Lara Ghazal; Gesang, Computerei und alles andere: Toni Petermann)
*
Es ist seltsam:
wenn man zulange in seinem Kopf kramt
findet man Dinge, die keinen Wert haben,
die mal falsch oder richtig waren,
weil man sie nur von fern sah.

Wir leben drin und wir kommen nicht mehr raus.
Das Leben funktioniert nach Regeln, aber so sieht es aus.
Eigentlich sieht es jeder so, auch wenn es nicht viele laut sagen:
Antworten die man hier bekommt sind nichts mehr als neue Fragen.

Jeder weiß: das lange Zweifeln knockt dich aus.
Keiner will am Boden liegen deswegen stehen wir wieder auf.
Und dann tun wir so als ob jeder wüßte was geht
und als ob wir oben stehn auch wenn die Welt sich dreht.

Damit es mir nicht mal den Kopf verdreht
trag ich bei mir nen Zettel auf dem steht:

Du verschränkst die Arme vor dem Herz!
Du, du, du hast deine Seele versperrt.
Solang’ du denkst irgendwas stimmt nicht, doch es muss wohl so sein
steht irgendwer vor deiner Tür und schreit: mach auf, lass mich rein!

Kann man sicher sein, dass es nicht anders sein kann, es heißt:
Wenn du akzeptiert werden willst, dann pass dich an
und dann hör’ ich mich erzählen wie verdammt frei wir sind
und fang’ an mich zu fragen, ob das tatsächlich so stimmt.

Klar,
jeder trägt seine Maske, jeder singt sein Lied,
jeder spielt die Nebenrolle die ihm irgendwie liegt.
Mein Spiegelbild sagt: Schau dich an und sag nicht
du würdest in mir etwas sehen hättest du kein Licht.

Und der Schein entscheidet letztlich, worüber man spricht -
wie soll man jemanden vertrauen, wenn wir nicht wissen wer er ist?
Wenn das Herz von innen drückt, doch die Hülle sagt nein
können wir nicht über Dinge reden, die uns wichtig erscheinen.

Ich glaub es nicht schlimm sich zu maskieren,
solang Alternativen existieren!

Du verschränkst die Arme vor dem Herz!
Du, du, du hast deine Seele versperrt.
Solang’ du denkst irgendwas stimmt nicht, doch es muss wohl so sein
steht irgendwer vor deiner Tür und schreit: mach auf, lass mich rein!

zeit raum

Tonis Interrobang

Zwischen a und b verriegelt
unterteilt in endlose Klammern, Striche, Speichen
verraten von Perioden und geleugnet von Kommata, die
den Schluss markieren
aus a und b.

Wir hatten sie alle im Ticken der Uhren
vergessen oder getarnt, gleichwohl genutzt und
ertragen in unseren Köpfen:
Momente die so oder so gewesen wären,
nur eben nicht als Momente.
Genauso wie wir nur sehen,
was wir wissen und dann darüber reden,
um uns sichtbar zu machen,
um ein Teil dieser Zeit zu werden, nur
um nicht vergessen zu werden während draußen
ein Sturm fegt von a nach b.

Was wissen wir: letztlich nicht viel,
nur dass irgendetwas an uns begrenzt ist sein muss, und das
obwohl wir es nie selber erleben,
obwohl alles darauf hindeutet,
dass kein Ende in Sicht ist
im Kontinuum, oder rationaler gesprochen:
im Wunder.

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